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January 19, 2008

Rekordmarken

Trotz dem das Trampen in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren ziemlich aus der Mode gekommen ist, kann man, von der konkurrenzlosen Kostengünstigkeit mal abgesehen, immer noch ziemlich flott voran kommen. (Auffällig häufig sind es Leute, die früher selbst getrampt sind, die einen mitnehmen)

Für die 475km zwischen Marburg und Berlin, eine Strecke, die ich viermal im Monat per Anhalter zurücklege - liegt die "persönliche Bestleistung" in Richtung Berlin bisher bei sechseinhalb Stunden von Haustür zu Haustür; Eine Zeit, die vermutlich kaum noch zu unterbieten sein dürfte.

Wobei auf Platz 2 sechs Stunden nach einer anfänglichen Wartezeit von zwei Stunden rangiert. 

Erwähnen möchte ich noch, dass sich die Einführung von Navigationsgeräten günstig auf das Entgegenkommen mancher Fahrer auszuwirken scheint. So hat mich z.B., bei der sechsstündigen Fahrt nach Berlin, ein aus Belgien kommender Pole, auf Heimatkurs, kurz vor Magdeburg eingesammelt und nicht nur die verbleibende "Warschauer Allee" (eine Bezeichnung für die A2, die ich früher nicht kannte, aber in letzter Zeit mehrfach aufgeschnappt habe - und deren Ursprung ich im spöttischen Berliner Humor vermute) entlang mitgenommen - sondern fühlte sich nach eigenen Angaben, aufgrund seiner eigenen Vergangenheit, gegenüber jeglichen Trampern verplichtet - so dass er sich bereit erklärte, mich mithilfe seines Navis bis vor die Haustür meiner Liebsten zu kutschieren.

Und da wir uns während dieser Fahrt mit Englisch, Händen und Füßen fast wortwörtlich über Gott und die Welt unterhielten, kam es dann letztendlich dazu, dass ich morgens um 4.00, zu den Klängen von Beethovens 9er Symphonie - und beachtlicher Lautstärke - in Berlin einfuhr... *g*

Danach ist es mir übrigens sogar noch zwei weitere Male passiert, dass Fahrer sich aus eigenem Antrieb als so freundlich erwiesen, mich trotz völlig anderer, persönlicher Zielpunkte, bis zu der, von mir anvisierten Adresse zu fahren.

Am anderen Ende der Rekordskala stehen dagegen satte 22 Stunden auf dem Weg zurück, von Berlin nach Marburg; Einer Odysse von Berlin nach Helmstedt - mangels Weiterkommen zurück über Leipzig, Erfurt und Gießen - was leider mit daran liegt, dass Marburg doch abseits aller Autobahnen liegt - und daher eher selten direkt angefahren wird.

Auf dem vorletzten Platz landet dagegen die Fahrt, mit der erwähnten Unterbrechung durch die Reifenpanne - die es immerhin auf 21 Stunden bringt und bei der ich für die letzten 80 Kilometer bis nach Hause gute vier Stunden und neun verschiedene Fahrer benötigte...

 

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January 19, 2008

Truck Tracks

Früher war es so einfach, wie es gängig war, sich von Lastwagenfahrern mitnehmen zu lassen. Aber auch da hat es in den letzten Jahren Veränderungen gegeben.

Wie mir ein Fernfahrer bei einer Gelegenheit erzählte, gibt es zumindest heutzutage vielerorts standardisierte Arbeitsverträge für LKW-Fahrer, die eine Klausel enthalten, wonach es ihnen verboten ist, andere Personen, als firmeneigene Mitarbeiter mitzunehmen; Auch aus versicherungstechnischen Gründen. Entweder sind solche Verträge erst vergleichsweise jüngeren Datums - oder die Fahrer haben sich früher weniger daran gebunden gefühlt...

Darüberhinaus kann man es sich getrost ersparen, Fahrer von Gefahrengut-Transportern oder Post-Gütern fragen zu wollen; Soweit ich weiß, können spätestens die mit einer Kündigung rechnen, wenn sie bei einem Verstoß gegen dieses Verbot erwischt werden. Ich schätze aber auch, dass es eine grundlegend stärkere Arbeitsplatzunsicherheit und Veränderungen im Geschäftsgebaren der Speditionen gibt, so dass viele Fahrer in Puncto Anhalter "abweisender" geworden sind.

Ein weiterer Punkt ist zumindest indirekt, dass der Fernverkehr auf deutschen Straßen insgesamt deutlich mehr geworden ist, in den letzten Jahren; Wobei auch der verhältnismäßige Anteil der Gütertransporte aus - oder in - osteuropäische Staaten, Rumänien, Russland o.ä. deutlich zugenommen hat; Nicht wirklich zur Freude deutscher Fernfahrer. Denn erstens scheinen die Fahrer aus den östlichen Staaten überwiegend Weisung zu haben, ihren Arbeitstag bereits am Spätnachmittag zu beenden - wodurch sich zweitens das Problem ergibt, dass abends - oder spätestens nachts - die Parkplätze und Rasthöfe von LKWs überquellen - sich teilweise sogar bis auf den Verzögerungsstreifen zurückstauen.

Daher ist es den LKW-Fahrern mitterweile - da sie ja an feste Arbeits- und Ruhezeiten gebunden sind (die via Fahrtenschreiber aufgezeichnet werden) - sogar gestattet, mit angeschalteter Warnblinkanlage auf dem Seitenstreifen einer Autobahn zu übernachten, wenn kein Parkplatz zu finden ist. Stelle ich mir als Schlafstätte auch nur suboptimal vor...

Soweit es mich als Anhalter betrifft - ergibt sich da eher ein sprachliches Problem, da so ziemlich jeder Fahrer einer entsprechenden Herkunft, mit dem ich bis jetzt zu tun hatte, kaum mal ein Wort Deutsch oder auch Englisch sprach - wobei natürlich auch da entsprechende Anweisungen seitens des Arbeitgebers eine Rolle spielen mögen. Bisher jedenfalls war es ein einziger Fahrer - ein Russe, glaub ich - der mir anbot, mich mitzunehmen.


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January 19, 2008

Truck Tracks II - Technischer Fort-Schritt

Wenn man früher per Anhalter von einem LKW-Fahrer mitgenommen wurde, war der fast obligatorische Bestandteil des Bordequipments ein CB-Funkgerät. Als ich vor einigen Monaten anfing, regelmäßig die Strecke Marburg-Berlin zu bereisen, fiel mir irgendwann auf, dass das heutzutage nur noch eingeschränkt der Fall zu sein schien.

Auf meine Nachfrage erzählten man mir, dass seit dem Aufkommen von Handys - und jüngst Navigationsgeräten - sowohl die Bereitschaft, als auch der Anlass für CB-Funk deutlich nachgelassen hat. Früher informierten sich die Fahrer untereinander - neben Smalltalk - über Baustellen, Staus, Ausweichrouten und Ähnliches...wie Polizeikontrollen zum Beispiel. Das entfällt nun überwiegend - eben durch die Popularität und den technischen Fortschritt im Bereich dieser beiden Geräte.

Letzte Woche erst erzählte mir ein selbstständiger Fahrer, der nach eigener Aussage 28 von 30 Tagen eines Monats durch die Weltgeschichte karriolt, um sich über Wasser zu halten - und der tatsächlich noch ein CB-Gerät mit sich führte - dass in diesem Teil des Äthers mittlerweile überwiegend Grabestille herrschen würde.

Darüber hinaus sagte er, dass im Kielwasser dieser technischen Entwicklung auch die frühere Kollegialität und Hilfsbereitschaft - gerade der deutschen Fahrer untereinander - deutlich geschwunden wäre. Dass früher sofort jemand angehalten hätte, wenn ein Kollege eine Panne hatte; Heuzutage nicht mehr. Aber auch da nehme ich einen Zusammenhang mit den allgemeinen Veränderungen im Transportwesen an - zum Beispiel dem gestiegenen Termindruck...

 

 

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