Gegrapha Published on October 24, 2008
by Gegrapha

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Das andere Buch

Friday October 24, 2008 at 06:15PM

Man hat mir beigebracht, dass man mit Büchern sorgsam umgehen soll. Man fasst sie nur mit sauberen Händen an, man malt nicht hinein, macht keine Eselsohren in die Ecken der Seiten und reißt schon gar keine Seiten heraus.

Wenn ich heute ein Buch sehe, das deutliche Nutzungsspuren zeigt wie Fettflecke, Unterstreichungen in allen Farben, fahrig mit der Hand oder akkurat mit dem Lineal gemacht, Notizen und Anmerkungen am Rand mit Bleistift oder - schlimmer - Kugelschreiber, Risse in den Seiten, notdürftig mit Klebestreifen geflickt, kommt mir das Buch vor wie ein Patient, der dringend Pflege braucht.

Doch jetzt auf der Buchmesse habe ich gesehen, dass ein Buch auch dadurch gewinnen kann, wenn man ihm mit Farbe, Applikationen der unterschiedlichsten Art, auch einem gezielten Schnitt und etwas Leim begegnet.

Altered Books
Altered Books

Die Buchkünstlerin Friederun Friederichs aus Herrenberg hat dies mit ihren "altered books" gezeigt. Sie nimmt ein fadengeheftetes Buch und verändert es. Sie färbt Seiten ein, klebt Bilder hinein, malt Bilder darauf oder setzt Stempel hinein. Sie entfernt Seitenränder, um Spitze oder Borte anzukleben, setzt Glanzpunkte auf andere Seiten und um den Buchrücken nicht zu sprengen, entfernt sie auch mal Seiten.

Altered Books
Altered Books

Auf diese Weise zaubert sie aus einer alten, ungeliebten "Schwarte" oder "Schmonzette" meines Erachtens wahre Kunstwerke. Man hält dann geradezu das bildhafte Gegenstück zu einer Gedichtsammlung in der Hand, bei dem jede Doppelseite auch für sich als Kunstwerk stehen kann.

Altered Books
Altered Books

Mehr über sie und ein weiteres ihrer Projekte erfährt man über die Seite "ReadingWoman.org", für "altered books" empfehle ich, einmal eine Suchmaschine zu bemühen.

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16 Comments / add your comment?

Paul Schubert says:
Wäre Pierre de Fermat sorgsamer mit Büchern umgegangen, wäre den Mathematikern ein großes Rätsel unbekannt geblieben, das zwar prinzipell 1993 nach etwa 350 Jahren gelöst wurde, aber eigentlich doch nicht so richtig - zumindest nicht so, wie Fermat es gelöst haben konnte.
de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_fermatscher_Satz
Posted 2 months ago. ( permalink / translate )
Gegrapha replies:
Ja, das sind so Zufallsfunde, die die Wissenschaft freuen.
Und: Natürlich sind bei einigen Büchern die Seiten mit extrabreitem Rand versehen worden, damit(!) man Notizen machen konnte.
Vielen Dank für diesen Hinweis!
Posted 2 months ago. ( permalink / translate )
azephaliapro says:
ich finde schon, dass man buechern ansehen muss dass sie gelesen wurden. wobei ich da natuerlich zwischen eigenen und geliehenen buechern unterscheide.
fettflecke gehen zwar nicht, aber geknickte und abgegriffene seiten zeigen, dass dieses buch mit-gelebt wurde. na und wer in buechern keine notizen und skizzen macht, ist mir sowieso suspekt :-)

aber danke fuer die hinweise, sowohl ueber die altered books als auch der hinweis mit fermat. ipernity bildet.
Posted 2 months ago. ( permalink / translate )
Gegrapha replies:
Danke auch! - Ipernity bildet wirklich. Fermat kannte ich auch noch nicht :-)

Mit der Zeit sieht man wohl bei jedem Buch Gebrauchsspuren. Mir fielen einmal aus ausgeliehenen Büchern Brötchenkrümel entgegen; der Ausleiher hatte darüber sein Frühstück eingenommen :-/
Ich möchte gerne meine Bücher in dem Zustand zurück bekommen, in dem ich sie verliehen habe.
Bei Büchern aus öffentlichen Bibliotheken ist m.E. der/dem nächsten Lesenden gegenüber unfein, Textpassagen zu markieren oder zu kommentieren. Vom Herausreissen der Seiten oder Herausschneiden von Bildern ganz zu schweigen.
Posted 2 months ago. ( permalink / translate )
azephaliapro replies:
ich bin wirklich gerne in bibliotheken, man kann dort so herrlich stoebern, es ist einer der wenigen orte auf der welt wo es (meistens) ruhig ist und ich mag einfach den geruch von (alten) buechern.
aber als mir vor einiger zeit eine wohl etwas aengstliche person groß und breit erklaert hat woher ihre bibliotheksbuchphobie stammt und mir die unmoeglichsten dinge, die man mit buechern anstellen kann, erzaehlt hat, ist meine lust, seiten von ausgeliehenen buechern anzufassen, nur noch sehr gering :-)
wegen der notizen etc. kauf ich mir allerdings sowieso lieber die buecher selbst - ausserdem ist ein volles buecherregal in der wohnung gemuetlich.
Posted 2 months ago. ( permalink / translate )
Gegrapha replies:
:-) Stimmt. Bibliotheken haben 'was. Besonders solche mit alten Holzregalen und alten Büchern.
Leider haben viele alte Bücher auch etwas, nämlich Milben und Pilzsporen; das sind zwei triftige Gründe, weshalb einige Menschen sich nur mit OP-Maske als Atemschutz und Einmalhandschuhen an die Lektüre machen. Was man so alles (Unappetitliche) mit Büchern machen kann, will ich wohl gar nicht so genau wissen.
Aber Du hast absolut Recht: Bücher gehören einfach in eine Wohnung. Da greift das arabische Sprichwort: Ein Haus ohne Bücher ist ein Ort ohne Seele. :-)
Posted 2 months ago. ( permalink / translate )
Pandarinepro says:
Was mich hier in den Ami-Buechereien immer stoert, ist die Unsitte, keine Lesezeichen zu verwenden, sondern einfach die Seite umzuknicken, auf der man sich gerade befindet. Ich koennte jedesmal an die Decke gehen, wenn ich sowas in die Hand bekomme! Aber das ist hier scheint's ganz normal ...

Interessante Infos da oben, danke!
Posted 7 weeks ago. ( permalink / translate )
Gegrapha replies:
Gern geschehen @Infos.
Die Unsitte gibt es hier auch; jedoch scheint sie sich eher auf den privaten Bereich zu beschränken, weil die Bücher einem ja nicht selbst gehören und die Bibliothekar/inn/e/n schon recht deutlich werden können, wenn ihnen sowas unter die Finger kommt.
Was ich aus den Staaten auch noch gehört habe, ist, dass z.T. die schon gelesenen Seiten wie bei einem Abreisskalender einfach abgerissen und weggeworfen werden. Da schüttelt's mich.
Posted 7 weeks ago. ( permalink / translate )
Pandarinepro replies:
Nee, das hab ich eigentlich noch nicht erlebt.
Posted 7 weeks ago. ( permalink / translate )
Gegrapha replies:
Dann besteht ja vielleicht doch noch Hoffnung ...
Posted 7 weeks ago. ( permalink / translate )
Pandarinepro replies:
Ach bitte, nein! ;-D
Posted 7 weeks ago. ( permalink / translate )
Gegrapha replies:
Nein? - Ähh, ich meinte die Hoffnung, dass sie vielleicht auch von den anderen Unarten wieder Abstand nehmen, wenn sie das Zerreißen noch nicht angefangen haben und auch nicht damit beginnen...
Posted 7 weeks ago. ( permalink / translate )
Pandarinepro replies:
Ups, das hatte ich genau anders 'rum verstanden ;-)
Posted 7 weeks ago. ( permalink / translate )
Gegrapha replies:
Oh! Da hatte ich mich wohl "interpretationsfähig" (unklar!) ausgedrückt :-(
Also: Ich mag Bücher heil und am Stück. Begründete Ausnahmen (siehe Blogeintrag) lasse ich schon mal zu.
Posted 7 weeks ago. ( permalink / translate )
Pandarinepro replies:
Dann sind wir uns ja einig :-)
Posted 7 weeks ago. ( permalink / translate )
Gegrapha replies:
Aber locker doch! :-)
Posted 7 weeks ago. ( permalink / translate )

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