Am Freitag habe ich entschlossen das Boot von der Ems nach Bad Essen zu fahren. Dieses Jahr wage ich einfach nicht noch darauf zu hoffen, dass wirklich noch ein paar schöne Tage kommen, dies möglich machen das Boot gesittet zu überführen.
Ebenso fällt die angedachte Emstour mit TIAN, Stardrifter und PatrickHH damit aus. :-(
Ich denke das bringts dies Jahr nicht und nächstes Jahr wird alles vieeel besser!
Der Wetterbericht meldete durchwachsenes Wetter mit einigermassen wenig Niederschlägen, auf der Ems ist der Wasserstand so, dass man losfahren kann, also los! Der Hafenmeister vom Bad Essener Yachtclub wird angerufen - er meint, er kann nicht sagen, ob was frei ist, er ist grad an der Ems. Häh - wo? Er liegt mit seinem Boot einen Kilometer oberhalb der Gleesener Schleuse, also direkt auf meiner Tour. "Irgendwie bekommen wir dich schon unter, fahr man los" meint er. Wir verabreden uns Abends auf nen kleinen Schnack.
In Listrup angekommen sieht das Wetter ziemlich finster aus, ich grübel, ob ich wirklich losfahren soll. Im Hintergrund sieht man den Wasserfall von Listrup, der dieses Jahr so oft die Spassbremse war. Bei Hochwasser ist dort enorme Strömung und man kann nicht los, weil die Gefahr zu gross ist runtergesaugt zu werden:
|
| imgp5664 |
Ich halte mich noch ne Weile auf dem Gelände des Yachtclubs auf - es ist schade den Platz zu verlassen. Ich mag die Ruhe und Natürlichkeit dort auf der Ems und die Gegend dort ist für mich ein Ruhepunkt, um auf den Touren den Alltag zu verdauen. Das hier ist der Blick Ems aufwärts. Ab hier kommt nur noch ein einziges Dorf und ansonsten nur Natur. Die Ems fliesst hier in grossen Mäandern gemächlich vor sich hin:
|
| imgp5670 |
Ich fahre also durch die alte handbetriebene Schleuse und bin nach eineinhalb Stunden an dem Platz, wo der Bad Essener Hafenmeister liegt. Ich muss sagen der Teil der Tour war schön. Mitten in der Einsamkeit Leute aus dem Heimatdorf zu treffen, die man kennt, auf deren Segelyacht zu sitzen, ein Glas Sherry in der Hand und der anbrechenden Dämmerung zuzuschauen. Es ist frisch, aber der Moment ist wunderschön.
Eine halbe Stunde vor Dunkelheit breche ich wieder auf und fahre zur Gleesener Schleuse. Die Schleuse liegt an der Stelle, wo Dortmund-Emskanal und Ems zusammenfliessen und sich für drei Kilometer das Flussbett teilen, ehe sie sich wieder trennen. Äusserst präsent ist an der Stelle das Lingener Atomkraftwerk, was man schon auf der Ems immer wieder im Blickfeld hat, wenn man diesen Teil befährt. An der Landzunge suche ich mir einen Platz zum Anlegen und bereite meinen Lagerplatz vor. Blick aufs AKW, wie romantisch ;-)
|
| imgp5680 |
Nachdem ich was gefuttert habe, ziehe ich noch ein wenig mit Stativ und Kamera los, um ne schauerliche Mehrfachbelichtung vom AKW zu bekommen. Ich gehe also zum Kanal und dort noch 10 Meter Richtung Schleuse. Und ja, es ist schauerlich - es sieht dort wirklich so aus
|
| imgp5685 |
|
| imgp5699 |
Am nächsten Morgen stehe ich um 04:30 auf, um möglichst viel der Strecke zu schaffen. Vor mir liegen 6 Schleusen auf 30km Dortmund-Ems-Kanal und danach noch 63km Mittellandkanal. Nieselregen, dass kann heiter werden.
Als es hell genug zum losfahren ist, rufe ich an der Schleuse an und melde mich an. Ich erfahre das wenig los ist und dass sie mich ziemlich problemlos durchreichen können. Ich lege also ab und fahre in die schon geöffnete Schleuse.
Und sie reichen mich wirklich einfach durch. Danke dafür! Immer wenn ich bei der nächsten Schleuse ankam standen die Tore offen und die Ampel sprang auf grün, wenn ich 100 Meter vor den Toren war. Das war eine Wohltat, ich war nass, der Nieselregen ging bis auf die Haut und die seltenen Aufheiterungen reichten grad mal aus, um ab und an wieder zu trocknen. Wenig Niederschlag stimmte auch. Im Boot hatte sich kein halber Zentimeter Wasser angesammelt. Es kam nur einfach kontinuierlich. Durch den dauernden Nieselregen wurde aber auch der alte luftgekühlte Diesel schön gekühlt und ich konnte fast ununterbrochen Volllast laufen, ohne dass der Motor heiss wurde.
Nach 5 Stunden war ich durch alle Schleusen - absolute Rekordzeit, ich hab auch schon mal 9 Stunden gebraucht.
Ich entschloss mich den Rest der Tour in einem Rutsch durch zu fahren. Lieber einen Tag in dem miesen Wetter, als nochmal draussen übernachten und Gefahr zu laufen am Sonntag unterkühlt nochmal nass zu werden. die 63km sind in 8 Stunden zu schaffen, berechnete Ankunftszeit also ca 20:00, wenn ich nur eine Pause von 15 Minuten mache. Mann, tun mir die Knochen weh. 14 Stunden ununterbrochen auf dem Boot. Harte Sitzbank, keine Möglichkeit zum Anlehnen, nur hin und wieder hinstellen...
Kurz vor Bad Essen kam dann nochmal zum üben ein richtiges Wetterchen. Ich hab ein Bild gemacht, als es aufzog, danach musste die Kamera weg ins Trockene, ich denke man sieht, was hier 20 Minuten später runterkam :-(
|
| imgp5702 |
Punkt(!) 20:00 kam ich im Bad Essener Yachthafen an. Pommesbude, ein Hefeweizen, Bett!
Eine wirklich anstrengende aber dennoch schöne Tour. Ich spür jeden Knochen, aber die Einsamkeit und die direkte Nähe zur Natur tut unheimlich gut. Anders gesagt "total fertig und nicht mehr ansprechbar, aber zufrieden"
translate into English
Send a message
Search for members






Michael B.pro says:
nochjemand replies:
DerBaumpro says:
nochjemand replies:
Inzwischen gehts nicht mehr zu Fuss, mein alter Köter(19 Jahre) schafft nur noch 20 min am Stück und den lass ich nicht daheim...
Mr.Doubt replies:
DerBaumpro replies:
nochjemand replies:
DerBaumpro replies:
Mr.Doubt replies:
DerBaumpro replies:
Delcour (Forum Libertus) says:
nochjemand replies:
Stardrifter says:
Wie wärs denn mal mit einem Wintergrillen bei dir in der Gegend?
:)
nochjemand replies:
Rosi`sEyespro says:
klasse !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
nochjemand replies:
patrickhh says:
Die Ruhe und die Weite ist einfach immer wieder nötig, nach den Tagen in der lauten, engen Stadt.
Nächstes Jahr wird alles besser, und die Tour wird nachgeholt!!!
nochjemand replies: